Lebenslinie





Detailansichten

    


Christian Peschke, Lebenslinie
Martina Adami (2007)

„Sein Lebenswerk“ – so nennt Christian Peschke die „Lebenslinie“. Vier Jahre hat er intensiv daran gearbeitet, fast 20 Jahre lang ist das Werk im Verborgenen geblieben, weil der Künstler sich emotional so stark damit verbunden fühlte – nun ist C. Peschke bereit die „Lebenslinie“ wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren und die ursprüngliche Idee, den Menschen etwas Bedeutendes zu „schenken“, wahr zu machen.
Und es ist in der Tat ein Geschenk, sich mit dieser Skulptur auseinandersetzen zu dürfen, sie zu sehen, sie zu betrachten, sie zu er-tasten, sie zu be-greifen. Das ist für den Künstler zentral, das der Betrachter das Werk synästhetisch erleben darf, es nicht nur schauen, sondern auch fühlen, andenken, bedenken, erdenken soll – das Leben, die Intensität und das Geheimnis des Lebens erahnen, sich annähern soll, in einem Prozess, der alle Sinne des Betrachters fordert, ihn mitnimmt, ihn  - im Idealfall „ein-nimmt“ in der Reflexion über das Dasein . Von den „Spannungsverhältnissen unserer Gefühlswelt“ spricht C. Peschke und davon, dass das Begreifen der Form einen tieferen Zugang  zu uns selbst eröffnet.
10 Meter lang ist die Skulptur, je nachdem, von welchem Ende aus man sie betrachtet, wirkt der Weg verkürzt oder sehr, sehr lang, wer am Ende steht, hat den Eindruck eines langen Zurück, der Beginn der Wegstrecke mutet eher verkürzt an, die erhöhten Rundungen des Werks in diesem Teil verhindern den „geraden“ Blick in die Zukunft.
Die „Lebenslinie“ kann in ihrem Ganzen erst verstanden werden, wenn man die Skulptur nachfährt, mit dem Handballen, mit den Fingern, mit den Fingerkuppen, wenn man die sanften Einbuchtungen ertastet, die Rundungen, die Knospen, das Wachsen, die parallelen Linien und Einbuchtungen, kein Leben verläuft kerzengerade, immer wieder steht man an Scheidewegen, muss/ darf man sich entscheiden. Sanft wie eine Wellenbewegung fühlt sich das Ganze an, manchmal nur in eine Richtung strömend, zuweilen nach oben strebend – ein großartiges Gleichnis für das Leben, für das Geheimnis des Lebens, das dem Betrachter offenbar wird, wenn er hinsieht, hinhört, hinfühlt, wenn er sich einlässt auf die Anziehungskraft dieser Skulptur, den Andeutungen nachgeht, Lebensbilder – persönliche und allgemeine – entstehen lässt.
Ein großes Werk, groß in seiner Grundfrage nach dem menschlichen Sein, groß in seiner Intensität, die den Betrachter zu einer Auseinandersetzung nicht zuletzt mit sich selbst auffordert, das Leben in seinen Facetten zu „ergründen“, der er sich kaum entziehen kann.
Christian Peschke hat in dieser Skulptur, die in einem ganz eigenen Arbeitsverfahren hergestellt wurde, das strahlende Marmorweiß gesucht, Sinnbild für Unschuld, Reinheit, für Echtheit, das Sich Zeigen des Eigentlichen.
Der Künstler stellt ein Grundmotiv, eine Grundfrage des Menschseins, die in der Bildenden Kunst kaum, in der Literatur dafür umso öfter aufgegriffen wurden, kraftvoll und eindrücklich dar. Die Assoziationen, auch die Leseebenen des Kunstwerks fordern den Betrachter heraus: Ob der Gedanke an den Lebensfaden mitschwingt, den die Parzen spinnen, aber auch durchschneiden, oder die Frage nach Wirkung und Wirksamkeit des eigenen Lebens im modernen Sinn gestellt wird oder die gewaltige Idee des „klassischen“ Goethe  aufblitzt – der „Lebensfaden“ hält den Betrachter auf, lädt ein sich den Knoten der Lebenslinie zu stellen, auf eine umfassend sinnliche, mehr als nur einen Sinn berührende Weise.

Martina Adami

1. Der Komponist Frank Duval hat für die „Lebenslinie“ eine eigene „Begleitung“ geschaffen, die den Prozess des Erfahrens noch verstärkt: „Ruf zur Sonne“ heißt der vielleicht bewegendste Teil des Stücks


Entstehung der Lebenslinie 1985 in Spanien


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